Theater Wolfsburg
Hans Scharoun
Hans Scharoun

Architektur

Ein Bau, der funktioniert wie die Natur

Architektur, ganz für die Landschaft und Besucherströme konzipiert:
Hans Scharouns Wolfsburger Theater

Von Andreas Berger

Als Stadt mit erst kurzer und dann auch noch sehr belasteter Geschichte hat Wolfsburg nach dem Zweiten Weltkrieg sehr bewusst und systematisch den architektonischen Neuanfang im Geist der Moderne gesucht. Als ein vollendeter Bau des Funktionalismus thront so seit 1973 das Theater, geschaffen von dem bereits damals berühmten Architekten Hans Scharoun, auf dem grünen Hügel gegenüber der Stadt.

“Das Werk ist ganz für die Landschaft konzipiert”, erläutert Architektur-Professor Gerhard Auer. “Es ist kein städtischer Bau wie die Theater an den zentralen Plätzen anderswo, sondern muss sich mit einer gewissen Wucht von weitem, am Ende der aus der Stadt führenden Blickachse der Porschestraße behaupten.”

Die Funktionen der einzelnen Bauteile werden auf Anhieb sichtbar: Das klotzige, fensterlose Bühnenhaus, das eben die Blackbox als Spielfläche des Theaters birgt und auch nach außen nichts anderes behauptet. Eine theatrale Geste wie später in der Postmoderne wird vermieden. “Die anderen Räume, Flure, Foyers sind ganz von den Besucherströmen bestimmt”, erklärt Auer.

Im Zentrum steht der Zuschauerraum, der von möglichst gleichmäßig guten Sichtbedingungen geprägt ist. Die Flure führen in einer strahlenförmigen Lenkung der Besucher darauf zu. Große Fenster gibt es nur in den Pausenfoyers, da wo man sehen und gesehen werden will.
Auer betont auch Details wie die sich breit, aber flach öffnende Eingangsfront zum Parkplatz hin: “Das ist wie eine Umarmung, da wird der Zuschauer sanft ins Theater eingeladen. Aber ganz ohne alle repräsentative Allüre, denn den Eingang sieht man von unten sowieso nicht.”
Auer betont auch den Unterschied dieser freien, etwas verschachtelten, sich der Natur einschmiegenden Form gegenüber der streng dem Bauhaus folgenden Moderne: “Den rechten Winkel, die Serie in der Abfolge von Abständen und Elementen werden Sie hier nicht finden.” Alles ist funktionsgerecht, den Bewegungen der Landschaft und des Publikums folgend eingerichtet, und Menschenströme fluten nun mal nicht um 90 Grad.

Bei allem Funktionalismus hat Auer aber auch eine Anekdote aus Scharouns schachteligem Bau der Berliner Philharmonie parat, wo der Zuschauer manchmal Mühe hat, seinen Platz zu finden. “Ich habe als Student an einer Baustellenführung durch Scharoun teilgenommen, da hat er sich selbst verlaufen.”

Auch die Schmuckfeindlichkeit des Funktionalismus hat Scharoun gelegentlich etwas unterlaufen, wenn man an die Schuppungen und den Goldton der Philharmonie denkt. Oder den geschnittenen, in sich natürlich gemaserten Stein, aus dem das Wolfsburger Theater erbaut ist. Zumindest von nahem gibt das – ohne alle Funktion – etwas dekorative Struktur.

August_2007

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