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Ausstellung: „Hans Scharoun – Architekt und Stadtplaner“

10. September bis 13. Oktober 2017 im Scharoun Theater Wolfsburg

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Ausstellung: „Hans Scharoun – Architekt und Stadtplaner“

10. September bis 13. Oktober 2017 im Scharoun Theater Wolfsburg

Ausstellung: „Hans Scharoun – Architekt und Stadtplaner“ (1898-1972)
10. September bis 13. Oktober 2017 im Scharoun Theater Wolfsburg

Anlass der neuen Ausstellung "Hans Scharoun - Architekt und Stadtplaner" ist die Umbenennung des Hauses durch den Rat der Stadt Wolfsburg zu Ehren seines Architekten. Hans Scharouns setzte sich in seinem Schaffen vielfach mit dem Theaterbau auseinander. Dennoch blieb das Theater in Wolfsburg sein einziger realisierter Bau dieses Typs – das gibt dem Projekt einen besonderen Stellenwert. Doch wer war eigentlich dieser Architekt, der über einen Wettbewerb 1965 aus Berlin nach Wolfsburg kam? Womit wurde er bekannt? Welche Projekte hat er sonst noch erschaffen? Die Ausstellung des Forum Architektur und des Scharoun Theater Wolfsburg gibt einen Überblick über das Werk des großen Baumeisters in acht Ausschnitten mit historischen Bildern und Plänen. Am 7. September wurde die Ausstellung von Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide und den Bremer Architekturhistoriker Prof. Dr. Eberhard Syring, der alle Texte zur Ausstellung geschrieben hat, eröffnet.

Die Ausstellung kann jeweils zu den Vorstellungszeiten des Theaters besichtigt werden. Sie ist öffentlich und kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Eine Veranstaltung des Forum Architektur in Zusammenarbeit mit dem Scharoun Theater Wolfsburg (Foto: Mädler)

Rede von Prof. Eberhard Syring (Hochschule Bremen/Lehrbereich Baugeschichte und Architekturtheorie) zur Eröffnung der Ausstellung

Zur Eröffnung der Ausstellung „Hans Scharoun – Architekt und Stadtplaner“ in Wolfsburg Hans Scharoun – was war das für ein Architekt? Welche Eigenarten zeichnen seine architektonische Haltung und sein Werk aus? Welche Lebensumstände und Erfahrungen haben ihn geprägt.

Dies sind die Fragen, die ich versuchen werde, in kurzer Form darzulegen aus Anlass der Eröffnung dieser kleinen Ausstellung und – im tieferen Sinn – aus Anlass der Umbenennung dieses Hauses in Scharoun Theater, zu der man Wolfsburg nur beglückwünschen kann. Bremen hat beispielsweise keinen Scharoun-Bau, obwohl es die Geburtsstadt des Architekten ist.

Hans Scharoun trat erstmals in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre mit einem eigenen Bauwerk ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Als architektonischer Newcomer war er zu einem Beitrag bei der später berühmt gewordenen Wohnhaus-Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Stuttgart eingeladen worden, bis heute als Weißenhofsiedlung bekannt. Damit war offenbar: Scharoun gehörte zum Kreise der Vertreter des Neuen Bauens, das in den 1920er Jahren, von Mitteleuropa ausgehend, einen globalen Siegeszug antrat. Heute fassen wir rückblickend dieser Architekturperiode gern als „klassische Moderne“ zusammen.

Doch schon damals bewegte sich Scharoun etwas außerhalb des Mainstreams dieser neuen architektonischen Richtung. Anders als Ludwig Mies von der Rohe, Le Corbusier oder der Bauhausschöpfer Walter Gropius, Architekten, die ebenfalls in Stuttgart beteiligt waren, wiesen Scharouns Bauten, wie sich bald zeigte, weniger eine rationale und universalistische Formensprache auf, vielmehr waren sie stärker von einer Auseinandersetzung mit dem Zweck, der Funktion der jeweiligen Bauaufgabe geprägt sowie mit der organischen Einbindung des jeweiligen Projektes in den Stadt- oder Landschaftsraum. Daher kam es durchaus vor, dass der Architekt mit dem Dogma des rechten Winkels brach und gekurvte Formen und verschwenkte Raumeinheiten in seine Bauten einführte.

In dieser Zeit der ersten Hochphase seiner Laufbahn, also zwischen 1927 und 1933, in der die beiden ersten hier vorgestellten Bauten Weißenhofhaus und Haus Schminke entstanden, schuf Scharoun noch weitere wichtige Bauwerke wie das Ledigenwohnheim auf der Breslauer Werkbundausstellung oder die Eingangsbauten die Siedlung Siemensstadt in Berlin, für die er auch den städtebaulichen Gesamtentwurf entwickelt hatte.

Mit Beginn der NS-Herrschaft fand die schwungvoll gestartete Karriere ein jähes Ende. Bekanntermaßen waren die moderne Kunst und Architektur seinerzeit als Kulturbolschewismus gebrandmarkt. Scharoun verlor seine Professur an der Breslauer Kunstakademie und konnte sich in den folgenden Jahren nur mit kleinen Einfamilienhaus-Bauaufträgen mehr schlecht als recht über Wasser halten. Äußerlich passten sich die Häuser zwangsweise den neuen architektonischen Doktrinen mit Sattel- und Walmdächern an. In ihrer Grundrissgestaltung experimentierte der Architekt aber weiterhin und kam zu Lösungen mit komplexen fließenden Räumen, die schon Momente seiner bekannten Nachkriegsprojekte vorwegnahmen.

Als in den Kriegsjahren die private Bautätigkeit fast völlig zum Erliegen kam, begann Scharoun seiner brach liegenden Schaffenskraft in Form utopischer Architekturentwürfe ein Ventil zu öffnen. Es entstanden Mappen voller Aquarelle und Zeichnungen, auf denen er die Möglichkeiten eines zukünftigen Bauens erträumte: häufig sind es in Stadt- und Landschaftsräume eingefügte Bauten für die Gemeinschaft. Auch hier lässt sich im Nachhinein feststellen, dass Scharoun mit diesen Blättern Motive vieler seiner berühmten Entwürfe der fünfziger und sechziger Jahre bereits antizipiert hat.

Doch die in den Nächten des Zweiten Weltkriegs entstandenen Visionen waren nicht die ersten utopischen Versuche des Architekten. Bereits in den Jahren unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, als Deutschland wirtschaftlich darnieder lag und es so gut wie nichts zu bauen gab, taten sich junge Architekten und Künstler, unter ihnen die Gebrüder Taut und Luckhardt, aber auch Scharoun, zu der so genannten „Gläsernen Kette“ zusammen. In Rundbriefen tauschten sie, geprägt vom Zeitgeist des Expressionismus und durch das schockhafte Erlebnis des ersten industriell bestimmten Vernichtungskriegs, utopische Architekturentwürfe aus, in denen der „Volkshausgedanke“ als Symbolbau einer friedvoll zusammen lebenden Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielte.

Der expressiv-utopische Überschwang wurde mit der einsetzenden Baukonjunktur Mitte der zwanziger Jahre und mit der sich etablierenden Architektursprache des Neuen Bauens zwar deutlich abgemildert, blieb aber gerade bei dem Architekten Hans Scharoun weiterhin ein wichtiger Impuls, der bis in sein Spätwerk nachwirkte. In Einklang mit Ideen der Reformpädagogik war Scharoun der Auffassung, dass Architektur nicht lediglich ein von außen zu betrachtendes und zu genießendes Kunstobjekt sei, sondern eine Prägeform, die einen unmittelbaren Einfluss auf das gemeinschaftliche Zusammenleben seiner Benutzer ausüben könne und auch solle. Kurz gesagt: Architektur soll ein besseres Zusammenleben der Menschen befördern, ihren gemeinschaftlichen Zusammenhalt stärken.

Ebenso wie der architektonische Raum den Menschen prägen sollte, war für Scharoun nicht unerheblich, welche Prägungen der Ort im überarchitektonischen Sinn auf den Menschen auszuüben in der Lage ist. Scharoun selbst, der ja wie erwähnt in Bremen zur Welt kam, ist vor allem durch die See- und Hafenstadt Bremerhaven geprägt worden. Dorthin hatte es seine Familie schon kurz nach seiner Geburt verschlagen, dort verlebte es seine Kindheit und Jugend. Die offene Landschaft, das rege Treiben im Hafen und auf den zahlreichen Werften, die weltoffene Einstellung in diesem damals bedeutenden Auswandererhafen, aber auch die Faszination an den Schiffsbauten. All diese Eindrücke prägten ihn und haben sich schließlich auch in seinem Werk niedergeschlagen. Deutlichstes Beispiel dafür ist die Schiffsmetaphorik, die in Scharouns Bauten immer wieder in allen Werkphasen auftaucht, in der Villa Schminke mit ihren relingartigen Balkonen oder in der Staatbibliothek – auch Bücherarche genannt – und natürlich im Deutschen Schiffahrtsmuseum, mit dem er am Ende seiner Laufbahn an den Ort zurückkehren konnte, der ihn so sehr geprägt hatte: nach Bremerhaven.

Scharoun, geboren 1893, gehörte zu jener Generation Architekten, deren Laufbahnen durch die politischen Turbulenzen des 20. Jahrhunderts stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Deshalb findet man bei ihm keinen gradlinigen Karriereweg. Scharoun ist aus den Krisen und Rückschritten aber letztlich charakterlich gefestigt herausgekommen. Der Erste Weltkrieg unterbrach sein Studium an der technischen Hochschule in Charlottenburg, er hat es formal nie abgeschlossen. Das NS-Regime stoppte seine Karriere als aufstrebender Jungarchitekt. Und nach dem Zweiten Weltkrieg, Scharoun war 1945 52 Jahre alt, brauchte es mehr als ein Jahrzehnt, bis er wieder ein bedeutsames Bauwerk errichten konnte: die hier in der Ausstellung zu sehende Geschwister-Scholl-Schule. Während an das NS-Regime angepasste Architekten meist ihre Karrieren nahtlos vorsetzen konnten, gab es für Scharoun lange Jahre der Niederlagen. Nur als Lehrer konnte er wieder arbeiten. 1946 erhielt er am Lehrstuhl für Städtebau der TU Berlin eine Professur. Mit seinen architektonischen Studien und Wettbewerbsbeiträge fand er hingegen zwar höchste Anerkennung in Fachkreisen, doch fehlte den öffentlichen Bauherren meist der Mut, seine Entwürfe zu realisieren.

Am bekanntesten ist das skandalöse Scheitern seines mit dem 1. Preis im Wettbewerb ausgezeichneten Entwurfs für das Staatstheater in Kassel, der hier in der Ausstellung ebenfalls vorgestellt wird. Mit seinen Theaterentwürfen für Kassel, aber auch für Mannheim ein Jahr später, hatte Scharoun innovative Gedanken zum Theaterbau entwickelt. In gewisser Weise hatten für den Architekten die Theater eine ähnliche Funktion und Bedeutung inne wie einst in seiner ersten utopischen Phase nach dem Ersten Weltkrieg der Volkshausgedanke. Er beabsichtigte in beiden Fällen eine Volksbildungsstätte im Zentrum einer Stadt zu schaffen, die als „Stadtkrone“ wie einst die Kathedralen in mittelalterlichen Städte, auch als symbolische Verkörperungen eines kollektiven Geistes dienen sollten. Ich finde, man kann diese Intention, wenn vielleicht auch nur rudimentär, in dem einzigen Theaterbauwerk, das Scharoun am Ende seiner Laufbahn verwirklichen konnte und in dessen eigenwilligem Foyer wir uns gerade befinden, wiedererkennen. Auch wenn uns die idealistische Grundierung seiner Architekturkonzeption heute womöglich etwas fremd erscheint.

Aber wenn wir schon beim Spätwerk angekommen sind, darf der Schlüsselbau zu diesem Spätwerk natürlich nicht vergessen werden, die Berliner Philharmonie. 1956 gewann er den Wettbewerb, und als das Bauwerk 1963 eingeweiht wurde, war Scharoun bereits im siebzigsten Lebensjahr. Mit dem genial einfachen Gedanken, die Musik, das Orchester in den Mittelpunkt des Raumes, umringt vom Publikum zu setzen, hatte er hier eine inzwischen oftmals (zuletzt in der Elbphilharmonie) wiederholte neue Typologie im Konzertsaalbau geschaffen. Ebenso beeindruckend die Innenraumlandschaft des Foyers. Die Philharmonie begründete Scharouns späten Weltruhm, der ihm noch eine Reihe interessanter Bauaufgaben bescherte. Die Fertigstellung von drei wichtigen Projekten dieses Spätwerks, die auch in dieser Ausstellung vorgestellt werden (und dazu gehört auch das Gebäude, in dem wir uns befinden), konnte Scharoun, der am 25. November 1972 im Alter von 79 Jahren verstarb, nicht mehr erleben.

Hans Scharoun war ein komplex denkender Architekt, bei dem Architektur und Städtebau in einer symbiotischen Verbindung standen. Und Scharoun besaß den Mut zur utopischen Dimension, strebte mit seinen Bauten einen Vorausgriff auf ein besseres Zusammenleben an. Form- und Raumeffekte nur um ihrer selbst willen waren seine Sache nicht. Das unterscheidet ihn von vielen sogenannten Stararchitekten der Gegenwart.

7. 9. 2017 Prof. Eberhard Syring

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