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Ein Neuer Gast im Zuschauerraum

Forschungsprojekt zu Theaterspielstätten – Mithilfe der Theatergäste ist gefragt!

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Ein Neuer Gast im Zuschauerraum

Forschungsprojekt zu Theaterspielstätten – Mithilfe der Theatergäste ist gefragt!

Ein neuer Gast hat in der letzten Woche im Zuschauerraum des Scharoun Theaters Platz genommen. „Gotthold Ephraim“ wurde der hölzerne Messkörper liebevoll von seinem Betreuungsteam getauft. Namensgeber ist natürlich der bedeutende Dichter Lessing, der die Entwicklung des Theaters in Zeiten der Aufklärung wesentlich beeinflusst  hat und 1781 in Braunschweig verstarb. Es handelt sich hier um ein Forschungsprojekt zu Theaterspielstätten, das die Technische Hochschule (TH) Köln durchführt und das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Der Messdummy speichert Daten, die Aufschluss geben über den Raumkomfort für die Wolfsburger Theatergäste.

In dem Forschungsvorhaben geht es zunächst darum, energetische Kennwerte und Daten zu erfassen und in einer Querschnittserhebung 12 Theaterspielstätten bundesweit zu vergleichen. Gemessen wird über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen. Die ersten Messungen wurden bereits seit Herbst 2016 durchgeführt zum Beispiel in Bonn und Krefeld, Nürnberg, Berlin und Nordhausen. Chemnitz, Schwerin und Mannheim werden folgen.

In einem zweiten Schritt wurde das Scharoun Theater Wolfsburg ausgewählt für ein sogenanntes Intensivmonitoring. Es ist das Beispiel innerhalb der Forschung, was bundesweit Vorbild sein und Orientierung geben soll. „An das Demonstrationsobjekt für das Intensivmonitoring werden hohe energetische Anforderungen gestellt, da dieses eine Vorbildfunktion für zukünftige Theatersanierungen einnimmt“, erläutert Birgit Meier-Wiedemann, Projektleiterin und Koordinatorin des EnOB–Forschungsvorhabens der TH Köln. „Das Scharoun Theater Wolfsburg ist eine der ersten vollständig sanierten Theaterspielstätten in Deutschland“, unterstreicht sie und berichtet von einer Suche, die sich sehr schwierig gestaltete. Zwar stehen viele Theaterspielstätten, die in der Nachkriegszeit errichtet worden sind, vor einer ähnlichen Situation und streben daher in den in den kommenden Jahren Sanierungsmaßnahmen an, doch sind erst wenige Maßnahmen bereits verwirklicht.

In Rahmen der Generalsanierung des Scharoun Theater Wolfsburg 2014-2015 hatten energetische Sanierungsziele eine wesentliche Rolle gespielt. Um eine deutliche Reduzierung des Endenergiebedarfs für die Wärme- und Stromversorgung zu erreichen, waren die thermischen Schwachstellen in der Gebäudehülle verbessert und Wärmeverluste deutlich verringert worden. So wurden zum Beispiel große Teile der Originalverglasung gegen eine 2-Scheiben-Isolierverglasung mit Beschichtung ausgetauscht, die für die Reduzierung der Sonneneinträge im Sommer und eine Verringerung der Wärmeverluste in der kalten Jahreszeit sorgt. Das Dach wurde komplett erneuert und mit einer neuen Dämmung versehen. Des Weiteren wurde an den Außenwänden des Verwaltungstrakts eine Innendämmung angebracht und die Sockelzone im Foyer- und Verwaltungsbereich nachträglich gedämmt. In einem weiteren Schritt wurden die Anlagen- und Netzverluste stark reduziert und die Lüftungswärmeverluste verringert. „Wir haben die Anfrage nach einer Kooperation für das Forschungsprojekt als große Chance begriffen“, so Dr. Christian Brinsa, Geschäftsbereichsleiter Hochbau der Stadt Wolfsburg. „Das für uns kostenfreie einjährige Monitoring kann zeigen, ob die errechneten Einsparpotentiale auch im Betrieb realisiert werden, und zudem weitere Möglichkeiten zur Verbesserung aufzeigen.“

Das Forschungsteam aus Köln hat für das Wolfsburger Theater ein Messkonzept ausgearbeitet, das nun in die Umsetzung geht. Neben zahlreichen Messfühlern, die den Strom-, Wärme- und Kälteverbrauch auf den unterschiedlichen Stufen der Energieversorgung zeigen, zählen dazu auch zwei Messkörper im menschlichen Maßstab, die für das Forschungsprojekt speziell entwickelt wurden. Sie erfassen Lufttemperatur, Luftfeuchte und Luftgeschwindigkeit sowie den CO2-Gehalt der Luft auf der Ebene der Nutzer, indem sie sitzend im Zuschauersaal platziert werden. „Konzentrationsschwächen und Müdigkeit sind oft auf einen zu hohen CO2-Gehalt der Luft zurück zu führen“, erklärt Birgit Meier-Wiedemann.

Neben der Beurteilung der Komfortbedingungen an einem einzigen Sitzplatz soll auch die Gleichmäßigkeit der Bedingungen im Zuschauersaal überprüft werden. Um dies zu erreichen, werden zwei Messtorsi parallel eingesetzt, die in unterschiedlichen Bereichen des Zuschauersaals Messwerte erfassen. Der erste Messkörper wird über den gesamten Messzeitraum an einem festen Platz mittig im Parkett sitzen. Der zweite Messkörper wandert und wird in unterschiedlichen Bereichen des Zuschauersaals platziert.

Darüber hinaus ist im Laufe der Spielzeit 2017/18 eine Zuschauerbefragung geplant, für die das Scharoun Theater Wolfsburg schon jetzt seine Nutzer um Unterstützung bittet. Ein Fragebogen wird vor Ort verteilt und parallel online zur Verfügung stehen. „Es wäre schön, wenn sich viele Besucher hier Zeit nehmen und ganz kurz mit ihren eigenen Erfahrungen zur Optimierung beitragen“, unterstreicht Intendant Rainer Steinkamp.

Eine Fachtagung zu den Ergebnissen ist für Mitte Januar 2019 vorgesehen. Der Endbericht der Forschung soll Ende März 2019 fertig sein.

Abbildungen: Messkörper und technisches Konzept des Messkörpers

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