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Nachruf

Zum Tode von Dirigent Stefan Soltesz

Die Klassikwelt hat einen herausragenden Dirigenten von internationalem Rang verloren und auch die Konzert- und Opernfreunde in Wolfsburg trauern um Stefan Soltesz.

Am 22. Juli ist der 73jährige Dirigent im Nationaltheater München während einer Aufführung der Oper „Die schweigsame Frau“ von Richard Strauss im Orchestergraben am Ende des ersten Aktes zusammengebrochen und kurz darauf verstorben.
Soltesz war eng mit dem renommierten Staatsorchester Braunschweig, dem Hausorchester des Scharoun Theaters, verbunden, dessen Ehrendirigent er im Jahr 2012 wurde. In mehr als 35 Jahre dirigierte der begnadete Orchesterleiter immer wieder auch umjubelte Sinfoniekonzerte und Opernaufführungen in Wolfsburg. Besonders zu nennen sind hierbei seine Dirigate der Oper „Rosenkavalier“ und des Zyklusses aller neun Sinfonien von Ludwig van Beethoven.

Stefan Soltesz wurde 1949 in Ungarn geboren, studierte nach der Flucht aus Ungarn an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst Dirigieren bei Hans Swarowsky sowie Komposition und Klavier. 1971 begann er als Kapellmeister am Theater an der Wien seine Karriere. Bei den Salzburger Festspiele arbeitete er als Assistent bei Karl Böhm, Christoph von Dohnányi und Herbert von Karajan. Positionen als ständiger Dirigent hatte Soltész an der Hamburgischen Staatsoper und an der Deutschen Oper Berlin inne. Als Generalmusikdirektor wirkte er von 1988 bis 1993 am Staatstheater Braunschweig sowie als Chefdirigent von 1992 bis 1997 an der Flämischen Oper in Antwerpen und Gent. Von 1997 bis zum Ende der Spielzeit 2012/13 war Soltész Intendant des Aalto-Theaters in Essen, das 2008 im Rahmen der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Opernwelt zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt wurde. Während dieser Zeit war er Generalmusikdirektor der Essener Philharmoniker.

Gastdirigate führten Soltész regelmäßig an die Wiener Staatsoper sowie an die großen Opernhäuser Deutschlands. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit waren das Teatro dell’Opera di Roma, die Budapester Staatsoper, das Teatr Wielki in Warschau, das Bolschoi-Theater in Moskau und das Grand Théâtre de Genève. Darüber hinaus gastierte er an der Pariser und der Zürcher Oper, De Nederlandse Opera in Amsterdam, dem Teatro Massimo Bellini in Catania, der Oper Bilbao, dem Teatro Colón in Buenos Aires, in Japan, Taiwan, an der Washington und der San Francisco Opera, in Covent Garden, sowie bei den Festivals in Montpellier, Aix-en-Provence und Savonlinna, den Pfingstfestspielen Baden-Baden, anima mundi in Pisa, dem Tongyeong Festival (Korea) sowie dem Glyndebourne Festival.
Daneben dirigierte Stefan Soltész unzählige Konzerte u. a. in München, Hamburg, Hannover, Dresden, Berlin, Saarbrücken, Bremen, Wiesbaden, Heidelberg, Wien, Rom, Catania, Turin, Mailand, Genua, Verona, Triest, Basel, Bern, Paris, Moskau, Taipei, Nagoya und Budapest.

An seiner Stelle dirigiert der junge italienische Dirigent Mino Marani das Sinfoniekonzert „Bedeutend“ am 13. Oktober 2022 um 20:00 Uhr.