Theater Wolfsburg

Die Blume von Hawaii

Spätberliner Jazz-Operette von Paul Abraham

Die hawaiianische Prinzessin Laya, der ihr seit Kinderzeiten versprochene Prinz Lilo-Taro, die schöne Insulanerin Raka, der amerikanische Admiral Stone und sein Sekretär John Buffy, die kesse Bessy Worthington, die beiden Jazz- Sänger Jim Boy und Suzanne Provence – das sind nur die allerwichtigsten Akteure in einem turbulenten und temporeichen Spiel um das Finden der wahren Liebe, die Zukunft Hawaiis und die Freuden des mondänen Lebens in Honolulu und Monte Carlo, an dessen Ende sich sage und schreibe vier glückliche Paare finden.

Anfang der 1920er Jahre schwappte eine neue Art des Musikmachens über den Ozean nach Europa: der Jazz. Unangefochtener König dieser letzten, wilden Operettenzeit in Berlin war Paul Abraham, der in seiner Komposition meis-terhaft Operettenmelodien mit Elementen des Jazz verband. Seine mitreißende Musik erlebt derzeit eine verdiente Renaissance. Voll rasanter Lebenslust, irrsinnig komisch, aber auch herzergreifend lyrisch.

Musikalische Leitung: Florian Ziemen
Inszenierung: Tamara Heimbrock
Orchester, Solisten, Chor und Jugendchor des TfN

Hier können Sie sich einen Trailer zur Inszenierung ansehen >>

„KEIN BEDÜRFNIS SERIÖS ZU SEIN“ - GMD Florian Ziemen über die Rekonstruktion von Paul Abrahams Musik

Paul Abraham war ein geheimnisvoller Komponist. Als völlig unbekannter ungarischer Musiker kam er nach Berlin und wurde dort Ende der 1920er Jahre schlagartig berühmt. In den wenigen Jahren bis zu seiner Emigration galt er als einer der schillerndsten Figuren der Berliner Operettenszene: Er schmiss legendäre Partys, war mit Werken wie „Ball im Savoy“ und DIE BLUME VON HAWAII enorm erfolgreich und hat sein Geld beim Glücksspiel verprasst. Es kursierten allerhand Geschichten von zweifelhaftem Wahrheitsgehalt über ihn, viele davon hat Abraham selbst in Umlauf gebracht. Nach seiner Emigration über verschiedene Stationen bis in die USA ging es dann aber schnell bergab. Die Erfolglosigkeit in den Vereinigten Staaten trug wohl auch dazu bei, dass es ihm mental immer schlechter ging und Abraham zum Schluss wahrscheinlich verrückt wurde. Die berühmteste Anekdote handelt davon, dass Abraham mit seinen weißen Dirigentenhandschuhen auf einer Kreuzung den Verkehr regelte, im Glauben, es sei sein Berliner Salonorchester. In Deutschland hat Paul Abrahams Ruhm die 12 Jahre des Nationalsozialismus, in denen seine Werke nicht mehr gespielt wurden, über-standen und seine Operetten waren nach dem Krieg schnell wieder populär, wie der Spielplan des Stadttheater Hildesheim von 1949 mit DIE BLUME VON HAWAII zeigt. Es gab offenbar eine Lust, diese Werke wieder zu spielen. Wie in der Operette gängi-ge Praxis, wurde die Musik neu arrangiert und dem Zeitgeschmack angepasst. Dieser Geschmack hatte sich zwischen den 1920ern und 50ern natürlich enorm verändert. Das Bedürfnis nach Restauration und heiler Welt bestimmte den Gestus der Bearbeitungen. Nun ist es eben jene Zeit, die unsere heutige Vorstellung von Operette geprägt hat. Man schaue nur auf die zahlreichen erfolgreichen Operetten-Verfilmungen dieser Jahre. Dieses Nachkriegsbild der Operette war lange Zeit maßgeblich. Unter diesem (falschen) Image verschwanden auch Abrahams Werke ab den 1970er Jahren von den Spielplänen der Theater. Man hatte das Restaurierte satt und es wurde zunehmend als weltfremd, seicht und zu harmlos wahrgenommen.

Seit einigen Jahren gibt es eine Renaissance der ursprünglichen Operetten. Man entdeckt, wie wild die Entstehungszeit dieser Werke war und – auf musikalischer Ebene – wie anders sie geklungen haben. Glücklicherweise gibt es viel Material aus der Zeit, in dem ich seit Jahren forsche: Anders als beim Umgang mit jeder älteren Musik kann man bei der Operette des 20. Jahrhunderts für eine „historische Aufführungspraxis“ neben Autographen, gedruckten Noten, Berichten, Rezensionen etc. auch die frü-hen Tondokumente der Zeit verwenden und hier findet man ein Klangbild und eine Musizierweise, die dem süßlichen Ton der Nachkriegsversionen geradezu diametral entgegengesetzt ist! Es zeigt sich, dass der (Original-)Klang und der Geist hinter diesen Werken ein anderer ist. Kein harmloser, sondern ein krawalliger, aufmischender, subversiv brodelnder Drive, der viel Spaß macht. Paul Abraham ist in dieser Hinsicht so spannend, weil er mehr als jeder andere Operettenkomponist jener Zeit auf den Zug des Jazz aufgesprungen ist und mit einem unglaublichen Talent wirkliche Schlager geschrieben hat. Paul Abraham hatte nie das Bedürfnis seriös zu sein und das macht ihn heute noch besonders.

Der Einbruch des Jazz ist eine der größten musikgeschichtlichen Revolutionen die es je gab. In kürzester Zeit kam ein ganz neues Musizieren in Europa auf: Die Betonung des Rhythmus, der Spaß am Synkopierten, die Spitzheit – alles, was die westliche Unterhaltungsmusik bis dahin nicht hatte. Wenn man Schallplatten aus der Zeit, etwa aus New Orleans hört, erkennt man, dass das „Original“ viel weicher und seelenvoller klingt, als das, was in Deutschland davon angekommen ist. Hier haben sich der unruhigen Zeit entsprechend eher die widerständlichen, eckigen Elemente durchgesetzt.

Jazz bedeutet auch mehr Freiheit für den Einzelnen, ein Abschied vom alleinentschei-denden Komponisten. Die improvisatorischen Anteile und diese Art von Demokratisierungstendenzen haben auch Paul Abraham sehr interessiert: Er wollte ein System entwickeln, wie man mit einem Orchester freier musizieren kann. Dazu nutzte er eine sogenannte „Zentralpartitur“, in der alle Instrumente gleichzeitig spielten, so dass man spontan auf Zuruf oder gestisches Zeichen bestimmte Gruppen spielen oder Nebenstimmen auftauchen und wieder verschwinden lassen konnte. Ein modulierendes Gebilde, um ein großes Maß an Freiheit reinzubringen. Auch wenn es sich nicht vollständig rekonstruieren lässt, versuchen wir das in unsere musikalische Interpretation am TfN einzubringen. Unsere Version ist die Erstaufführung einer Fassung, die die Flexibilität einer Zentralpartitur nachzunahmen versucht. So haben wir bis in die letzten Proben versucht, bestimmte Nummern mal so oder mal anders klingen zu lassen und die für unseren Abend richtige Version zu finden. Ein spannender Prozess, denn so eine Freiheit hat man als Dirigent sonst nie!

Opernfreund vom 15.5.2018 zur Aufführung „Die Blume von Hawaii“

„Von der Ouvertüre an kam aus dem Graben ein auf Betreiben von Florian Ziemen stets vorwärtsdrängender Drive mit zwischendurch schrägen Jazz-Tönen – alles typisch für die vielschichtige Partitur Abrahams. Dieser instrumentale Schwung war für alle Akteure auf der Bühne so ansteckend, dass die vielen bekannten Songs und Duette wie eine flotte Revue serviert wurden. Das schloss sentimentale Zwischentöne nicht aus – im Gegenteil, sie gehören natürlich auch zu einer anständigen Operette. [...] die Rekonstruktion und Wiederbelebung der Operette hat sich gelohnt, man hatte insgesamt auf der Bühne und im Publikum viel Spaß. Das lag natürlich auch an der geschickten, das Tempo immer wieder forcierenden Regie von Tamara Heimbrock und der abwechslungsreichen Choreografie von Jaume Costa i Guerrero.”

Die Harke vom 3.11.2018

„Vor einem fast ausverkauften Haus erblühte am Donnerstagnachmittag ‚Die Blume von Hawaii’, Paul Abrahams Operette aus dem Jahr 1931. Nachdem sie zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten war, hatte Florian Ziemen, Generalmusikdirektor des Theaters für Niedersachsen (TfN), sie jetzt wiederbelebt - mit Erfolg. [...] Kostüm- und Maskenbildner hatten [...] ganze Arbeit geleistet. [...] Am aufregendsten waren jedoch die grandiosen Stimmen. [...] Vor allem ist es Paul Abrahams Musik, die nicht süßlich ist, wie viele nachträglich bearbeitete Operetten, sondern im Original frisch und frech, vom Jazz eindeutig beeinflusst. Einige Ohrwürmer sind geblieben.”

Theater für Niedersachsen, Hildesheim

Bildnachweis: Grafik: Look one GmbH; Szenenfotos: F. von Traubenberg

Termine Spielort Karten
So 03.02.2019
um 19.00 Uhr
bis ca. 22.00 Uhr
» ics Großes Haus

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