Theater Wolfsburg

Weihnachten mit Erich Kästner - Ein Vorweihnachtsabend mit Walter Sittler und den Sextanten

Szenische Lesung mit Musik

Für Erich Kästner war der Winter eine besondere Zeit. Kein Wunder, dass einige seiner schönsten Geschichten in den kalten Monaten spielen, nicht nur die Klassiker „Das fliegende Klassenzimmer“ und „Drei Männer im Schnee“. Nach den großen Erfolgen ihrer beider Kästner-Stücke "Als ich ein kleiner Junge war" und "Prost Onkel Erich!" haben Martin Mühleis und Libor Síma auf Bitten vieler Veranstalter für Walter Sittler & Die Sextanten jetzt ein drittes  Kästner-Programm erarbeitet. Im kommenden Dezember 2019  wird es in der Geburtsstadt des Autors seine Premiere feiern, in der Gläsernen Manufaktur von Dresden.  
 
Diese winterliche Geschichte ist geschickt montiert  aus Essays und Erzählungen, Weihnachtsgedichten und Auszügen aus Romanen des Autors. Erich Kästner aber wäre nicht der Dichter, als der er geliebt und geschätzt wird, würde er das Sujet „Weihnachten“ nicht nutzen, um dabei seinen analytischen Blick auf die Zeit und den Menschen zu richten. Kästners Werk nämlich ist prall gefüllt mit autobiographischen Details. In fast allen seinen Texten erzählt er von sich und seiner Zeit -  als  einer der wichtigsten Chronisten des vergangenen Jahrhunderts,  als humorvoller Beobachter und  scharfzüngiger  Mahner von nicht zu bremsender Aktualität.  
 
Auch dieses Weihnachtsprogramm ist also "typisch Kästner": Melancholische und ironische Texte wechseln sich ab,  eine Kästner-typische Melange aus Humor und Sachlichkeit. Libor Síma, der auch die Bühnenmusiken der beiden anderen Kästner-Stücke komponiert hat, hat für die außergewöhnliche Besetzung der Sextanten die schönsten europäischen Weihnachtslieder neu arrangiert. Und so ist dieses „Weihnachts-Special“  eine literarisch-musikalische Deutschland-Revue über die Jahre 1920 bis 1950.

Und so beginnt das Stück:
 
Diesmal wird es eine regelrechte Weihnachtsgeschichte. Eigentlich wollte ich sie schon vor zwei Jahren schreiben; und dann, ganz bestimmt, im vorigen Jahr. Aber wie das so ist: Immer kommt einem etwas dazwischen. Bis meine Mutter neulich sagte: „Wenn du sie jetzt nicht schreibst, kriegst du nichts zu Weihnachten!“
Damit war alles entschieden.
Ich packte schleunigst meinen Koffer, legte den Tennisschläger, den Badeanzug, den grünen Bleistift und furchtbar viel Schreibpapier hinein und fragte, als wir schwitzend und abgehetzt in der Bahnhofshalle standen: „Und wohin nun?“  Denn es ist begreiflicherweise sehr schwierig, mitten im heißesten Hochsommer  eine Weihnachtsgeschichte zu verfassen. Man kann sich doch nicht gut auf den Hosenboden setzen und schreiben: „Es war schneidend kalt, der Schnee fiel in Strömen, und Herrn Doktor Eisenmayer erfroren, als er aus dem Fenster sah, beide Ohrläppchen“ - ich meine, dergleichen kann man doch beim besten Willen nicht im August hinschreiben, während man wie ein Schmorbraten im Familienbad liegt und auf den Hitzeschlag wartet! Oder? Frauen sind praktisch. Meine Mutter wusste Rat. Sie trat an den Fahrkartenschalter, nickte dem Beamten freundlich zu und fragte: „Entschuldigen Sie, wo liegt im August Schnee?“
 
„Am Nordpol“, wollte der Mann erst sagen, dann aber erkannte er meine Mutter, unterdrückte seine vorlaute Bemerkung und meinte höflich: „Auf der Zugspitze, Frau Kästner.“
 
Und so musste ich mir auf der Stelle ein Billett nach Oberbayern lösen. Meine Mutter sagte noch: „Komme mir ja nicht ohne die Weihnachtsgeschichte nach Hause! Wenn’s zu heiß wird, guckst du dir ganz einfach den schönen kalten Schnee auf der Zugspitze an! Verstanden?“ Da fuhr der Zug los.

Der Grimme-Preisträger Walter Sittler – einer der facettenreichsten Schauspieler Deutschlands – erzählt in heiterphilosophischem Plauderton Kästners autobiografische Erinnerungen an seine Kindheit in einem intensiven, mal lustigen, mal witzigen, mal melancholischen Monolog. 
Libor Síma hat für die außergewöhnliche Besetzung der Sextanten die schönsten europäischen Weihnachtslieder neu arrangiert.

Mit Walter Sittler (Rezitation und Schauspiel)
Uwe Zaiser (Trompete, Saxophon), Libor Síma (Violine), Lisa Barry (Harmonium), Lars Jönsson (Kontrabass), Veit Hübner (Schlagzeug), Martin Deufel (Schlagzeug)
Komposition: Martin Deufel; Textbearbeitung: Libor Sima

Walter Sittler, Rezitation
 
Als jüngstes von acht Kindern wurde Walter Sittler Anfang der 1950er Jahre in Chicago, USA geboren. Nachdem seine Eltern – ein amerikanischer GermanistikProfessor und eine deutsche Lehrerin – 1959 nach Deutschland zurückkehrten, verbrachte er einen Großteil seiner Schulzeit in verschiedenen deutschen Internaten, unter anderem in Salem am Bodensee. Nach dem Abitur lebte er für ein Jahr bei seiner Schwester in Lima/Peru, lernte dort Spanisch und beschloss nach seiner Rückkehr, Medizin zu studieren. Die Wartezeit auf einen Studienplatz überbrückte er als Pfleger in verschiedenen Kliniken. 1977 begleitete er einen Freund zur Weihnachtsfeier der Otto-Falckenberg-Schule in München und war von der Schauspielerei so begeistert, dass er sich spontan bewarb – und angenommen wurde. Nach seiner Schauspielausbildung hatte er zwei jeweils siebenjährige feste Engagements am Nationaltheater Mannheim und am Staatstheater Stuttgart, wo er mit Regisseuren wie Jürgen Bosse und Martin Kusej zusammengearbeitet hat. Dem Fernsehpublikum wurde Walter Sittler durch seine Serienhauptrolle in der erfolgreichen ZDF-Serie „Girl Friends“ bekannt. Einen besonderen Stellenwert hat die RTL-Comedy „Nikola“, bei der er an der Seite von Mariele Millowitsch die Rolle des „Dr. Robert Schmidt“ mit großem Erfolg spielt. Die Serie „Nikola“ erhielt 1998 den Adolf-Grimme-Preis sowie 1997 den Sonderpreis „Goldene Rose“ in Montreux. Walter Sittler spielte zahlreiche Hauptrollen in Fernsehfilmen und gilt als einer der beliebtesten Fernseh-Schauspieler unserer Zeit im deutschsprachigen Raum. Seit 2007 spielt er die Titelfigur in der erfolgreichen ZDF-Reihe "Der Kommissar und das Meer". Außerdem verkörpert er Erich Kästner in den beiden Bühnenproduktionen „Prost, Onkel Erich“ und „Als ich ein kleiner Junge war“. Letztere wurde 2009 mit dem Erich-Kästner-Preis für Literatur ausgezeichnet. Neben seiner künstlerischen Arbeit, erhebt er regelmäßig seine Stimme zu gesellschaftspolitisch relevanten Fragen und überzeugt durch sein Engagement für Bildung und Demokratie.

Inszenierung und Produktion: Martin Mühleis

Bildnachweis: Jennifer Sittler

Termine Spielort Karten
Di 10.12.2019
um 19.30 Uhr
bis ca. 21.30 Uhr
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