Theater Wolfsburg

Luisa Miller

Oper von Giuseppe Verdi in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Basierend auf Friedrich Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ erzählt Verdis effektvolle Oper „Luisa Miller“ von der tragischen Geschichte zweier Liebenden. Entgegen aller gesellschaftlichen Konventionen liebt Rodolfo, Sohn des Grafen von Walter, die bürgerliche Luisa Miller. Der alte Graf ist davon wenig begeistert, schließlich möchte er seinen Sohn standesgemäß verheiraten. Der Zweck heiligt die Mittel und so werden sein Sohn, Luisa und ihr Vater Opfer einer handfesten Intrige, die die Liebenden entzweien soll. Vater Miller wird verhaftet und seine Tochter erpresst: Um ihren Vater zu retten, soll Luisa einen folgenschweren Brief schreiben ...

Mitte des 19. Jahrhunderts war das ein richtiges Skandal-Stück: Der gesellschaftskritische Text Schillers musste für den italienischen Opernbetrieb entschärft werden. Doch Verdis expressive Komposition gleicht das vollends aus: mit Spannung und Empathie – ein grandioses Musikdrama.

Inszenierung: Christian von Götz

mit Seungweon Lee, Ji-Woon Kim, Yaroslava Kozina, Alexander Vassiliev, Andreas Jören/Benjamin Lewis, Megan Marie Hart, Annina Olivia Battaglia, Stefan Anđelković, Caroline Lusken

Symphonisches Orchester, Opernchor, Extra-Chor und Statisterie des Landestheaters Detmold

Luisa Miller

Melodramma tragico in drei Akten von Giusepe Verdi

Die 1849 uraufgeführte Oper „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi gehört – eindeutig zu Unrecht – nicht zu den häufig gespielten Opern des großen italienischen Romantikers. Denn sie nimmt im Gesamtoeuvre des Komponisten durchaus eine wichtige Rolle ein. „Luisa Miller“ markiert in Verdis Werkreihe den Übergang zur Meisterschaft, schließlich entsteht in den drauffolgenden Jahren 1850 – 1853 seine „Trilogia popolare“, mit der er seine volle künstlerische Reife und weltweiten Ruhm erreicht.

Unwiderstehlich angezogen vom Werk Friedrich Schillers und der Wirkungskraft seiner Stücke wählte er für „Luisa Miller“ bereits zum dritten Mal ein Drama aus der Feder des deutschen Sturm- und Drangdramatikers als literarische Vorlage für eine Oper. Nach den Stücken „Die Jungfrau von Orléans“ und „Die Räuber“ fiel seine Wahl dieses Mal auf das bürgerliche Trauerspiel „Kabale und Liebe“, das bis heute zu den prominentesten deutschen Dramen gehört. Dieses Stück mit all seinen Beschreibungen zwischenmenschlicher Konflikte, Liebesbeziehungen, Intrigen und den emotionalen Extremsituationen, in diesen sich die Protagonist*innen immer wieder befinden, eignet sich hervorragend für die Opernbühne; das sah auch Verdi so.

Anders als bei seiner Räuber-Vertonung „I masnadieri“ bearbeitete Verdi zusammen mit seinem Librettisten Salvadore Cammarano im Falle von „Luisa Miller“ die literarische Vorlage sehr stark: die politische Radikalität Schillers ist für Verdi nebensächlich. Stattdessen fokussiert Luisa Miller sich auf das familiäre Beziehungsgeflecht der Hauptfiguren. Im Zentrum dieses Geflechts steht die junge, wohlbehütete Luisa Miller, der Inbegriff weiblicher Reinheit im Italien zur Zeit Verdis, die – wie häufig die Frauen in seinem Werk – hin- und hergerissen, zwischen der tiefen Zuneigung zu ihrem Vater und der glühenden Liebe zu ihrem Angebeteten Rodolfo. Und auch der ist in seinem Handeln nicht frei, sondern determiniert von dem Willen seines machtbesessenen Vaters, Graf Walter. Aus dieser Ausgangskonstellation entspinnt sich auf geradezu aristotelische Weise die Handlung – ein typisches Verdi-Stück in drei Akten mit den Untertiteln „Liebe, „Intrige“ und „Gift“, und man ahnt schon, dass diese Oper alles hat: die große Liebe, Lügen, Enttäuschung, Verrat, Intrigen und Tod; all das eingebettet in wunderschöne Melodien, Duette und Verdi-typische Chorszenen, die die Leiden, Hoffnungen, Wünsche und Freuden aller Beteiligten ausdrücken.

Regisseur Christian von Götz kehrt für die Inszenierung von „Luisa Miller“, das unter Experten zu einem der bedeutendsten Stücke Verdis gehört, nach seiner erfolgreichen Elektra-Inszenierung zurück an das Landstheater Detmold und sagt selbst, dass dieses Stück für ihn das stärkste Stück des jungen Verdi ist. (von Anna  Neubert)

Rezension von Detlef Obens /DAS OPERNMAGAZIN

Giuseppe Verdis musikalische Umsetzung des Schiller-Klassikers „Kabale und Liebe“ hat nicht mehr allzu viel mit der Vorlage zu tun. Der Komponist musste sich zur Entstehungszeit dieser Oper (Die Uraufführung erfolgte am 8. Dezember 1849 in Neapel) gewissen Zensurzwängen und politischen Vorgaben beugen und nahm somit einiges an sozialem Sprengstoff aus dem ursprünglichen Theaterstück heraus. Mehr Liebe als Kabale sollte es sein. Aber das eröffnete Verdi die Möglichkeit seine unnachahmliche musikalische Sprache  ür Emotionen und dramatische Situationen einzusetzen. In Detmold fand am gestrigen Abend die Premiere dieser leider viel zu selten gespielten Oper statt. Und wer diese Premiere erlebt hat, wird dem sicher zustimmen können: So schön, so mitreißend, so herzergreifend und so dramatisch kann Verdi klingen, wenn, wie Gestern in Detmold, einfach alles zusammenpasste. (Rezension der Premiere vom 5. April 2019)  

Der Brechtvorhang war ein wichtiges stilistisches Mittel dieser expressionistischen Inszenierung von Christian von Götz. Immer wieder gab er den Blick frei auf die hinter ihm liegende Bühne und das Geschehen dort. Schnell auf- und wieder zugezogen, Bilder und Szenen freigebend, wie ein schneller Schnitt in der Filmbearbeitung der 1920-er Jahre. Der Zeit des Stummfilms, der gestenreichen Bewegungen, der einmaligen Mimik, welche auch und gerade über die Augen erfolgte, und seinen abgehackt wirkenden Bewegungen. Und gerade diese Elemente sind es, die diese Detmolder LUISA MILLER so spannend, so berührend, aber auch so ehrlich machen. Da wird das Schicksal dieses Bauernmädchens greif- und fassbar, wie es zwischen den sie umgebenden Männern hin- und hergerissen, für deren Gefühle und Bedürfnisse ge- oder benutzt wird. Sei es der Vater Miller, der seine Tochter nicht loslassen kann, sei es der unter falschen Namen sich in ihr Leben geschlichene Grafensohn Rodolfo, oder dessen Vater, der alte Graf, dem eine Bauerntochter für seinen Sohn nicht standesgemäß ist und der andere Pläne hat, oder eben der sie eigentlich liebende, aber durch sein Wesen abstoßende intrigante Wurm. Am Ende stirbt sie durch das Gift einer der Schlangen, die sie umgeben hat.

Zusammen mit Bühnen-und Kostümbildner Lukas Noll und Maskenbildnerin Kerstin Steinke nahm uns Christian von Götz mit in eine Welt voller romantischer Mädchenträume die am Ende zu Alpträumen mutierten. Er brachte uns die einzelnen Charaktere des Stückes nah und auch einige Male spürbar nah. Das Liebevolle ebenso, wie das menschlich zutiefst Abgründige. Die weißgeschminkten Gesichter mit den großen dunklen Augen verstärkten die Eindrücke der Emotionen und die dazugehörenden Bewegungen taten ihr übriges. Und doch war alles in Bewegung, wie in einem Fluss. Einen Fluss allerdings, der unaufhörlich auf sein Ende zuströmt und alles, was er in sich führt, mit in die Tiefe reißt. 

Eine absolut sehens- und erlebenswerte Inszenierung dieses Opernwerks, welches uns das Landestheater Detmold hier präsentiert. Das Publikum sah es ebenso und bezog auch das gesamte Regieteam in seinen großen Schlussapplaus mit ein.

Die Regie konnte sich aber auch eines hervorragenden Ensembles auf der Bühne gewiss sein. Jede einzelne Partie war überzeugend besetzt. 

Zunächst sei aber Caroline Lusken genannt. Sie stellte tänzerisch beeindruckend die geschaffene Rolle der „La Morte“ dar. Durch teils anschmiegsame, aber auch bedrohlich anmutende Bewegungen, verbunden mit der entsprechenden Mimik, war sie in dieser Inszenierung der „schwarz-rote“ Faden, an dem Luisa durch die Handlung geführt wird. Diese pantomimisch-tänzerische Rolle passte eindringlich ins Regiekonzept und wurde von der Tänzerin großartig dargeboten.

Die kleineren Partien des Boten und der Laura waren mit Stefan Andelkovic und Annina Olivia Battaglia (vom Opernstudio) adäquat besetzt. Yaroslava Kozina sang die Partie der Herzogin Federica. Ihre Gefühle von verletztem Stolz und Eifersucht setzte sie mit ihrem

Den Graf von Walter, dem die Bauerstochter Luisa nicht standesgemäß für seinen Sohn erschien und der ihn lieber mit der Herzogin verbandeln wollte, wurde der Rolle gemäß bösartig und skrupellos von Seungweon Lee gespielt und gesungen. Wieder einmal eine tolle Leistung des jungen Sängers aus Südkorea.

Luisas Vater, diesem von seinen Gefühlen so innerlich getriebenen und zerrissen Mann, gab Benjamin Lewis viel Profil in Stimme und Darstellung. Hier sei besonders seine Leistung  im dritten Akt der Oper, im großen Duett mit Luisa, erwähnt.

Die Partie des Schloßvogts Wurm stellt sängerisch, aber auch, und vor allem, darstellerisch hohe Ansprüche. Alexander Vassiliev wurde diesen vollends gerecht. Es muss eine wahre Freude für einen Regisseur sein, mit einem derart überzeugenden Sängerdarsteller arbeiten zu dürfen, der aus dieser Partie des eigentlich verabscheuungswürdigen Intriganten auch die andere Facette, die Mitleid erheischende, herausstellen kann. Und das sowohl mit stimmlichen, als auch mit darstellerischen Möglichkeiten. Vassiliev wurde verdient vom Publikum für seine Leistung gefeiert!

Viele Bravorufe erhielt auch Ji-Woon Kim für seine Interpretation des jungen Grafensohn Rodolfo. Die tenoralen Höhen dieser Partie stellten ihn vor keinerlei Schwierigkeiten, vielmehr wirkte es so scheinbar leicht und mühelos, wie er sang. Sein berühmtes “Quando le sere al placido”, in der er die geliebte Luisa des angeblichen Verrats anklagt, ging zu Herzen und war einer seiner persönlichen Höhepunkte des Abends.

Megan Marie Hart ist Luisa Miller. Und wie sie das war! Was für ein Rollendebüt! Der Publikumsjubel und die vielen Bravorufe für ihre Leistung waren mehr als berechtigt. Ihr raumfüllender Sopran war in seiner Tiefe, wie auch in der Höhe, von großartiger Präsenz und stimmlichem Wohlklang und ihre schauspielerische Darstellung im gesamten dritten Akt war von einer Gänsehaut erzeugenden Faszination, für die mir nur ein Wort einfällt: BRAVO! 

Chor und Extrachor des Landestheater Detmold, unter Leitung von Francesco Damiani, hat Verdi ebenfalls vor große Aufgaben gestellt. Und wieder einmal wussten die Damen und Herren des Detmolder Opernchores das Publikum zu begeistern.

Dies gilt auch in ähnlicher Weise für das Symphonische Orchester des Landestheater Detmold und dem musikalischen Leiter des Abends, GMD Lutz Rademacher. Rademacher dirigierte die Partitur voller Gefühl und jener packenden Dramatik da, wo Verdi sie wollte. Dies war bereits schon in der bekannten Ouvertüre der Oper hörbar. Auch für Rademacher und sein Orchester wurde der Premierenabend ein großer Erfolg.

Fazit: Verdis LUISA MILLER im Landestheater Detmold. Drei Akte mit den jeweiligen Titeln „Amore“ , „Intrigo“ und „Veleno„,  -„Liebe, Intrige und Gift“ – verpackt in schönster Musik von Verdi. Auf überzeugende Weise beklemmend inszeniert.  Alles zusammen sollten sich die Opernfans nicht entgehen lassen.

Landestheater Detmold

Bildnachweis: Landestheater Detmold, A. T. Schaefer

Termine Spielort Karten
Fr 26.04.2019
um 19.30 Uhr
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